Corona und Gewalt – wie gefährlich sind Corona-Leugner?

 

 

Niemand will die Impfpflicht, aber wenn nicht alle Bürger von der Notwendigkeit der Bekämpfung der Pandemie durch einschränkende Maßnahmen und von der Wirksamkeit von Impfungen zu überzeugen sind... Die geschäftsführende und die kommende Regierung beabsichtigt die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht.

 

Die Querdenker-Bewegung sieht in den Corona-Maßnahmen eine Diktatur. Sie glaubt einen Unrechtsstaat zu erkennen, gegen den der Widerstand gerechtfertigt ist. Die Proteste der Impfgegner schlagen zunehmend in Gewalt um. Fanatische Impfgegner wähnen sich gar im „3. Weltkrieg“. Impfgegner und Corona-Leugner radikalisieren sich zusehends, bis hin zum Mordaufruf                  (DER SPIEGEL).
Der tödliche Anschlag von Idar-Oberstein beweist die Radikalisierung der Corona-Leugner. Der Anlass ist banal. Ein Kassierer ermahnt einen Kunden zum Maskentragen und wird erschossen. Ist der Täter von Verschwörungstheorien beeinflusst? „Das ist der erste Fall einer Tötung in Verbindung mit Corona (Jörg Radek, Gewerkschaft der Polizei).

Drohen weitere Gewalttaten aus dem Kreis der Corona-Leugner?
Exemplarisch kann an dem Mordfall von Idar-Oberstein versucht werden, einen Zusammenhang zwischen Verschwörungstheorien und Gewaltanwendung aufzuzeigen.
Nach seiner Festnahme begründete der Täter den tödlichen Schuss mit Frust über die Pandemie und deren Regeln. Er habe sich in der Ecke gedrängt gefühlt und „keinen anderen Ausweg gesehen, als ein Zeichen zu setzen“, sagte der vernehmende Oberstaatsanwalt K. F. Das Opfer schien dem Täter „verantwortlich für die Gesamtsituation, da es die Regeln durchgesetzt habe.“
“Niemand, der auch nur halbwegs vernünftigen Verstandes ist, wird einen ihm völlig unbekannten jungen Mann einfach deshalb erschießen, weil er sagt: „Du musst eine Maske aufsetzen!“, sagte der frühere Direktor der Kriminologischen Zentralstelle des Bundes und der Länder: „Das ist ein kriminalpsychologischer Nonsens“ (SPIEGEL.de).
Hintergrund
Auch Impfgegner haben das Recht auf Selbstbestimmung. Jeder körperliche Eingriff (Impfen) setzt die Zustimmung voraus. Selbstverständlich muss die Logik der Coronaregeln hinterfragt werden. Kritisches „Querdenken“ hierzu ist gestattet, gar gefordert. Eigene Erkenntnisse oder vermeintliche „Wahrheiten“ zum Impfen zu besitzen, ist zunächst wenig problematisch, daraus jedoch anderen Personen
Handlungsempfehlungen zu geben oder gar zu Straftaten direkt oder indirekt aufzurufen, ist verwerflich.
Coronaleugner fordern stets mit Nachdruck, alle coronabedingten Einschränkungen aufzuheben. Die Zustimmung zur Gewaltanwendung hat eine ernst zu nehmende Dimension erreicht. Die Politik hat bisher kein schlüssiges Konzept gefunden, auf die Verschwörungstheorien angemessen zu reagieren. Sachliche Aufklärung zurInfektion und Hinweise auf erkennbare Erfolge bei der Bekämpfung der Pandemie überzeugen den „harten Kern“ der Demonstranten nicht. Sie ignorieren wissenschaftliche Erkenntnisse zum Virus, lehnen wirksame Bekämpfungsmaßnahmen ab, erwiesene Erfolge mittels Impfungen anerkennen sie nicht. Manche vermuten hinter der Corona-Pandemie Verschwörungsabsichten von reichen und mächtigen Personen, die die Weltherrschaft anstreben.
Zwangsimpfungen und Implantieren von Chips etc. seien Werkzeuge dazu. Den Wortführern solcher fake news wird vielfach geglaubt, obwohl sie für ihre Thesen keinerlei Beweise vorlegen können. Als Meinungsführer vertreten sie realitätsferne und wahnhafte Vorstellungen zur Corona-Krise. Als geistige Brandstifter sind sie auch für Übergriffe auf Polizisten, Journalisten, Politiker und Impftrupps
verantwortlich. Die Anführer der Demonstrationen nehmen die Corona-Krise zum Anlass, um die Gesellschaft zu verunsichern und zu spalten. Adressaten und Opfer der Anstifter von verbaler oder körperlicher Gewalt sind leichtgläubige und unkritischePersonen.
Sind Corona-Leugner psychisch krank und potenzielle Gewalttäter?
Paranoide Vorstellungen können bei manchen Demonstrationsteilnehmern so ausgeprägt sein, dass sie die mentale Grundlage für Gewalttaten bilden. Was prägt den Charakter der Demonstranten? Sind es „nur“ Krawallmacher gegen den Staat, Unzufriedene mit dem gesellschaftlichen Zustand, Impfgegner allgemein oder gewaltbereite Gegner der verordneten Coronamaßnahmen oder psychisch gestörte
Personen? Sind die Propagandisten und Anhänger der Verschwörungstheorien psychisch krank? Witter (1972) nennt eine Steigerungsfolge zur Wahrnehmung von Fakten: Irrtum Vorurteil überwertige Idee - Wahnvorstellung paranoide Entwicklung bis hin zur Schizophrenie**. Wenn ein Vorurteil das ganze Denken und Fühlen zu lenken beginnt, handelt es sich um eine überwertige Idee, woraus sich eine paranoide Entwicklung ableiten lässt (Kröber). Bei einem Teil der Demonstranten und der Coronaleugner ist der Bezug zur Realität verloren gegangen. Es liegen Wahrnehmungsstörungen bis hin zu Wahnvorstellungen als dominierende Symptome vor. Sie erfüllen damit die Voraussetzungen zur Annahme, dass bei dieser Personengruppe eine ernste psychische Störung vorliegt.
Die Radikalisierung eines Coronaleugners hat mit der Tötung eines Tankstellenkassiers bereits einen schrecklichen Höhepunkt in der Verschwörungsthematik erreicht. Der Täter war offensichtlich von
Verschwörungsfantasien beeinflusst, mutmaßlich in Form einer induzierten Psychose. Die Tat passt nicht in ein überkommenes kriminalpsychologisches Schema. Eine These: Bei der Entstehung und Weiterverbreitung der wahnhaften Verschwörungstheorien drängt sich der in der Psychiatrie bekannte Krankheitsbegriff „Folie à deux“* auf. Dabei verbreiten sich im übertragenen Sinn Verschwörungsideen
wie ansteckende Krankheiten. Wahnhafte Ideen sind potenziell infektiös. Deutlich wird dies an der unkritischen Zustimmung vieler Demonstrationsteilnehmer. Ansteckungsgefährdet für abwegige Ideen sind auch „normale“ Personen. Sie übernehmen Gedankenmaterial von Meinungsführern, die behaupten, sich im Besitz der „gültigen“ Wahrheit zu sein und verbreiten diese im Netz.
Nach bisheriger Kenntnis zum Tatmotiv und zur Persönlichkeit des Täters von Idar-Oberstein kann angenommen werden, dass dieser weitgehend fremdbestimmt gehandelt und die Fremdbeeinflussung ein solches Ausmaß angenommen hat, dass er nicht in der Lage war, von seiner Tötungsabsicht abzusehen.Schlussfolgerung: Es ist zu befürchten, dass im Zuge der Umsetzung der Impfpflicht
insbesondere politisch Tätige in den Focus von radikalen und gewaltbereiten psychisch gestörten Impfgegnern zunehmend geraten.


* Das Krankheitsbild beschreibt die Verbreitung von Wahnvorstellungen.
** Eigene Beobachtung: Ein 46-Jähriger greift unvermittelt und ohne erkennbaren Anlass eine
Verkäuferin an und verletzt sie leicht. Die Staatsanwaltschaft stellt das Strafverfahren gegen den
Betroffenen wegen der Geringfügigkeit der Tat und unter Annahme der Schuldunfähigkeit des
Beschuldigten ein. Das Betreuungsgericht hat danach zu klären, ob ein rechtlicher Betreuuer zu
bestellen ist. Bei der medizinischen Untersuchung stellt sich heraus, dass der Betroffene seit Jahren
an einer Schizophrenie leidet. Er bietet ein auffälliges Erscheinung: Er trägt eine gelbe Warnweste mit
angebrachtem Schwerbehindertenausweis sowie einen mit Alufolie ausgelegten Fahrradhelm. Er ist
nicht gegen Corona geimpft, weil er bei Telgram gelesen hat, dass die Impfung tödlich sei. Er lässt
sich zwar nicht zur Notwendigkeit der Impfung überzeugen, würde sich aber impfen lassen, da er bei
vorgeschriebener Impfpflicht, die anfallenden Strafgebühren nicht bezahlen könne.
Die Einsetzung eines rechtlichen Betreuers ist bei vorliegendem Sachverhalt geboten, da der
Betroffene infolge der seelischen Störung nicht in der Lage ist, für seine Angelegenheiten (u. a. im

Aufgabenbereich „Gesundheit“) zu sorgen.

 

Quelle:    Michael Hess                                                                                          06.12.2021                    
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